22 April 2019
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Dank seiner Funktion innerhalb des technischen Dienstes des Fachverbandes für Bordeauxweine CIVB ist Laurent Charlier direkt an dem Projekt „Newvine“ in Partnerschaft mit dem nationalen Institut für Agronomieforschung INRA und dem französischen Institut für Reben und Wein IFV beteiligt.

Die drei Organisationen arbeiten gemeinsam an der Entwicklung von Rebsorten, die den wichtigsten Krankheiten (insbesondere dem Echten und Falschen Mehltau) gegenüber resistent sind und sich an den Klimawandel anpassen können, ohne die Typizität der Bordeauxweine aufs Spiel zu setzen. Zu diesem Zweck nehmen sie Kreuzungen zwischen bereits resistentem Rebmaterial des INRA und Bordelaiser Rebsorten, dem Cabernet Franc und dem Petit Verdot, vor. „Durch die Kreuzungen werden die Karten neu gemischt, wir entwickeln nicht einfach einen Petit Verdot 2“, erklärt Laurent Charlier. Es geht ihm zufolge darum, „durch die Entwicklung von neuem Pflanzmaterial, das die besonderen Bedürfnisse des Bordelais erfüllt, den Weinbau von morgen vorzubereiten.“

Das Programm ist bis 2030 geplant, um zunächst das Verhalten der neuen Rebsorten zu untersuchen und sie anschließend zu vinifizieren und zu verkosten.

 

Agnès Destrac Irvine, Spezialistin für die Sortenauswahl im Rahmen von VitAdapt

Für Agnès Destrac Irvine vom INRA steht fest, dass der Klimawandel zu einer – je nach Frühreife der Rebsorte mehr oder weniger stark ausgeprägten – Vorverlagerung des phenolischen Zyklus der Reben führen wird. Die Lösungen liegen ihr zufolge in der Rebsortenauswahl und in VitAdapt, einem gemeinsamen Beobachtungsprojekt des INRA, des CIVB und des Instituts für Reb- und Weinwissenschaften ISVV.

In dessen Rahmen wurde 2009 eine Versuchsparzelle auf dem Weingut Grande Ferrade des INRA in der Gironde eingerichtet. Auf ihr wachsen 52 verschiedene, auf die gleiche Unterlage gepfropfte Rebsorten aus Frankreich und Europa. VitAdapt ermöglicht es, die Anpassungsfähigkeit und das qualitative Potenzial dieser Rebsorten zu untersuchen und gleichzeitig das Verhalten der Bordelaiser Sorten im Kontext des Klimawandels zu beobachten. Eine erste Verkostung hat bereits stattgefunden, doch es sind noch zahlreiche Tests notwendig, um ihre Typizität in diesem Umfeld zu ermitteln.

 

Nathalie Ollat, Innovationen auf dem Gebiet der Unterlagsreben

„Wir beobachten einen Rückgang der Produktivität der Reben und einen Gesundheitszustand, der bei den Winzern zu einer gewissen Beunruhigung führt“, erklärt die INRA-Forscherin Nathalie Ollat.

Innovationen rund um die Unterlagsreben sollen diese Sorgen jedoch zerstreuen. Heute sind in Frankreich 31 Unterlagsreben zugelassen, von denen die meisten kurz nach der Reblauskrise entwickelt wurden. Doch nur fünf von ihnen machen 75 % der Anpflanzungen aus. Dem Sektor fehlt es damit an Vielfalt und Modernität. Um diesem Mangel entgegenzuwirken, schlägt Nathalie Ollat zwei Strategien vor:

  • die Aktualisierung des Wissens über die bestehenden Unterlagsreben und die Vielseitigkeit ihrer Nutzung. Diesbezüglich wurde Greffadapt ins Leben gerufen, ein Versuchs- und Beobachtungsprojekt rund um 55 Unterlagsreben in Verbindung mit fünf Rebsorten;
  • die Entwicklung neuer Unterlagsreben mittels Kreuzungen sowie die Weiterentwicklung der Genetikkenntnisse, um die Auswahlmethoden auf den neuesten Stand zu bringen. Die Forscher hoffen damit, die Ursachen der Resistenz gegenüber der Reblaus und der Reisigkrankheit sowie die Antwort auf gewisse Herausforderungen des Klimawandels wie zum Beispiel Trockenheit zu finden.

Die Ansätze im Bereich der Weinbauforschung und -entwicklung unterscheiden sich, doch die Forscher teilen die gleiche Philosophie und rücken das Pflanzmaterial in den Mittelpunkt der Lösungen. Und auch wenn es noch einige Jahre dauern wird, bis signifikante Ergebnisse zur Verfügung stehen, zeigen sie sich alle bereits sehr vielversprechend. 


Bewährte praktiken im fokus

Gesunde Trauben auf Château Dalem dank sexueller Verwirrung

Das Weingut in der Appellation Fronsac betreibt seit Jahren nachhaltigen Weinbau. Um dieses Konzept weiter zu vertiefen, hat es beschlossen, die Technik der sexuellen Verwirrung zu nutzen, eine Methode für die kollektive Bekämpfung des Traubenwicklers. Dieses rein natürliche Verfahren nutzt Pheromone, um die Entwicklung der Raupen und damit Schäden an den Trauben zu verhindern. Seine Vorteile sind vielfältig, von Unschädlichkeit für den Anwender über Schutz der Fauna bis hin zu Umweltverträglichkeit. Château Dalem ist einer der Vorreiter dieses Biocontrol-Verfahrens im Appellationsgebiet.


 

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