04 Oktober 2021
Lesezeit: 3 min.
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Ein Nebeneinander von Bäumen und Ackerkulturen? Dieses Konzept nennt sich Agroforstwirtschaft und wird auch im Weinbau praktiziert. Es besteht darin, Bäume und Sträucher in und um die bewirtschafteten Parzellen zu pflanzen. Während sich die Winzer zu Beginn oft für eine Reihe von Bäumen derselben Art entschieden, setzen viele heute auf Vielfalt. Immer mehr treffen in Bordeaux diese Entscheidung mit dem Ziel, die Biodiversität zu steigern und auf diese Weise den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren.

WELCHE VORTEILE BIETET DIE AGROFORSTWIRTSCHAFT DEM WEINBAU? 

Die Vorteile der Agroforstwirtschaft sind zahlreich. Dank ihrer Wurzelverankerung schöpfen die Bäume Wasser und Mineralstoffe tief aus der Erde, um sie den Pflanzen an der Oberfläche zur Verfügung zu stellen. Ihre Wurzeln wirken sich auch vorteilhaft auf die Bodenstruktur aus. Sie fördern das Tier- und Pflanzenleben und insbesondere die Proliferation von Mykorrhizen, einer Assoziation von mikroskopisch kleinen Pilzen und Pflanzenwurzeln. Diese Mykorrhizen sind nicht nur wichtig für die Fruchtbarkeit der Erde, sondern verbessern auch die Widerstandskraft der Reben und helfen, den Einsatz von Kupfer zu reduzieren.

Bäume sind ebenfalls ein beliebter Lebensraum und eine Nahrungsquelle für Nützlinge (Bienen, Vögel, Fledermäuse usw.), die auf natürliche Weise helfen, Schädlinge zu bekämpfen und den Bedarf an Pflanzenschutzmitteln zu verringern.

Auch im Kampf gegen die Klimaerwärmung sind Bäume wichtige Verbündete. Neben der optischen Strukturierung der Landschaft erzeugen sie ein Mikroklima. Sie mäßigen die negativen Auswirkungen des Windes, verringern Trockenstress, indem sie Regenwasser binden und im Boden umverteilen, und reduzieren dank des Schattens, den sie spenden, Hitzestress.

Zu guter Letzt wirken sie als natürliche Filter, indem sie das Grundwasser vor Verschmutzung schützen und Kohlendioxid binden und speichern.

agroforesterie

DIE AGROFORSTWIRTSCHAFT: ÜBERZEUGTE WINZER

Das seit 2019 bio-zertifizierte Château Anthonicin Moulis-en-Médoc hat als erstes Weingut im Médoc die Agroforstwirtschaft eingeführt. Der Winzer und ausgebildete Wasserbau- und Forstingenieur Jean-Baptiste Cordonnier leitet den Betrieb seit 1993.

Angesichts meines forstwirtschaftlichen Hintergrunds weiß ich seit jeher um die Symbiose zwischen Pflanzen und Bäumen. Mit der Zeit wurde ich mir immer mehr der Notwendigkeit bewusst, dieses Wissen für die Wiedereinführung von Bäumen in den Weinbergen zu nutzen.

 

Seit der ersten Anpflanzung von Hecken rund um seine Parzellen vor zehn Jahren hat das Projekt des Winzers stark an Fahrt aufgenommen. Die ersten Bäume pflanzte er vor fünf bis sechs Jahren, als die Erneuerung einiger Parzellen anstand. „Seitdem gibt es bei uns keine neuen Rebparzellen mehr ohne Bäume. Nach jeder zwanzigsten Rebreihe ersetzen wir immer zwei Reihen durch eine Baumreihe“, erklärt er. Im Rahmen seiner Biodiversitätsstrategie schien es naheliegend, auf Bioanbau umzustellen, um die durch die Behandlung gegen Echten und Falschen Mehltau zerstörten Mykorrhiza-Pilze zu schützen. Zusätzlich hat sich der Winzer für eine Begrünung in jeder zweiten Reihe entschieden, um die Menge an Biomasse und Humus zu steigern und die Lebendigkeit der Böden zu erhöhen. Der Erfolg ist enorm: Der Betrieb deckt heute seinen Eigenbedarf an organischer Materie, gegebenenfalls ergänzt durch lokale Beschaffungsquellen (beispielsweise Dung von einem benachbarten Landwirt). Und die Ergebnisse sind spürbar. „Wir bringen neues Leben in unsere Böden“, stellt er fest. „Ihr Gehalt an organischer Materie, der unaufhörlich gesunken war, steigt seit drei Jahren wieder leicht an.“

Zur gleichen Zeit begann Marie-Pierre Lacoste, Winzerin auf Château La ClotteCazalisin Barsac, auf für den Getreideanbau genutzten palus* am Ufer der Garonne Bäume zu pflanzen, um die Nährstoffe im Boden zurückzuhalten. Nach und nach weitete sie ihre Überlegungen auf den Weinbau aus. Ihrer Ansicht nach ging es Reben in ihrem ursprünglichen Lebensraum im Wald, wo sie über Wurzelverbindungen verfügten, besser als isoliert in den Weinbergen. Mit der Absicht, eine „neue Verbindung zwischen Reben und Bäume herzustellen“, führte die Winzerin 2017 ihre ersten agroforstwirtschaftlichen Tests auf einer neu mit weißen Rebsorten bepflanzten Fläche von 1,3 Hektar durch.

Nach jeder zwölften Rebreihe pflanzte ich eine Hecke aus verschiedenen Obstbäumen, meist lokale Varietäten, mit jeweils sechs Metern Abstand an. Dazwischen kamen andere Arten wie kleine Obstbäume oder aromatische Pflanzen.

 

Diese Zwischenräume sind dafür gedacht, dass Vögel und Fledermäuse ungestört umherfliegen können. Vier Jahre später können sich die Ergebnisse sehen lassen. „Die Steigerung der Biodiversität ist eindeutig. Wir haben weitaus mehr Vögel und Insekten und dank des so geschaffenen Mikroklimas tragen die Bäume zur aromatischen Frische der Trauben bei“, stellt die Winzerin fest. In diesem Jahr ist sie noch einen Schritt weitergegangen und hat fehlende Rebstöcke in den Parzellen durch Bäume ersetzt.

agroforesterie dans le vignoble bordelais

* Feuchtgebiete

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